4. April 2018

Entwickeln und bauen für die nächste Generation

«Für manche Personalchefs sind wir ein Albtraum: Sie halten uns für verwöhnt, selbstverliebt und grössenwahnsinnig.» So beginnt das 2014 erschienene Buch «Glück schlägt Geld», in welchem die Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaftlerin Kerstin Bund beschreibt, wie die Millennials die Berufswelt verändern.
Millennials – die neuen Kunden
Heute machen Millennials über ein Viertel der Arbeitskräfte aus, und bereits im Jahr 2025 werden drei Viertel der arbeitstätigen Bevölkerung Menschen sein, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurden. Grund genug, sich mit der Generation Y auseinanderzusetzen und neue Produkte an deren Bedürfnisse auszurichten: Millennials sind grösstenteils in einem Umfeld von Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen. Damit sind sie ein substanzieller Teil der technologischen Revolution, welche die aktuelle Transformation in allen Gesellschafts- und Wirtschaftsbereichen antreibt. Sie stellen sowohl im gewerblichen wie im dienstleistenden Sektor völlig andere Ansprüche an die räumliche Disposition ihrer Arbeitgeber oder ihrer eigenen Unternehmen. Räume und Mietverhältnisse müssen flexibel und kurzfristig veränderbar sein. Immobilienstandorte sollen Sharing- und Community-Prozesse ermöglichen und maximal fördern. Als Entscheidungsträger in Unternehmen, Verantwortliche in Projektteams oder Gründer von Start-ups stellen Millennials für den gesamten Immobiliensektor eine neue Anspruchsgruppe und letztlich ein grosses Marktpotenzial dar. Wie reagiert die Branche auf die fundamentalen Veränderungen ihrer Märkte? Ist die Nähe zu den Kunden und die Neugier für Entwicklungen entlang ihrer Bedürfnisse gegeben? Besteht ausreichend Kreativität und regulativer Freiraum, um innovative Angebote zu lancieren?

Mut für neue Produkte und Prozesse
Um neue Angebote herzustellen, muss die Immobilienbranche neue Wege beschreiten. Dazu gehört das Hinterfragen des Status quo. Für ein besseres Kundenverständnis muss ein beschleunigter Lernprozess einsetzen. Die Angebotsoptik muss die Bauprojektoptik ablösen. Erst mit der Öffnung der Entwicklungsprozesse von Immobilien mit aktiver und strategischer Ausrichtung am Kunden können überzeugende Angebote entwickelt werden. So bieten beispielsweise einfache bauliche Strukturen mit einem hohen Grad an Flexibilität und Gebrauchstauglichkeit ein enormes Potenzial für differenzierte Produkte mit einem interessanten Preis-Leistungs-Verhältnis. Frugal Innovation eröffnet durch die Veränderung von Wertschöpfungsketten auch in der Immobilienbranche neu nachhaltige und skalierbare Geschäftsmodelle. Dabei genügt es nicht, Bekanntes zu optimieren. Der maximale Nutzwert für die künftigen Mieter muss von null auf neu entwickelt und als solcher kommuniziert werden. Ein hoher Grad an Agilität im Projektmanagement und in den Projektabwicklungsprozessen, in die sämtliche involvierten Parteien von Beginn weg integriert werden, bilden die Erfolgsfaktoren bei der Entwicklung und Realisierung der Produkte für die Generationen von heute und morgen.

Im YOND, einer Entwicklung von Swiss Prime Site, entstehen in der Stadt Zürich Arbeitsräume, die ihren Mietern maximale Flexibilität bieten.
In grösseren Dimensionen denken
Eine zusätzliche Herausforderung für die Gestaltung zukunftsfähiger und damit marktfähiger Immobilienprodukte ist die weiter wachsende Menge an Instrumenten, Normen, Verordnungen und Gesetzen des öffentlichen wie des privaten Planungs- und Baurechts. Unsere heutige Zonenordnung gründet unter anderem auf der Absicht, Gewerbe und Industrien, die vor Jahrzehnten und unter komplett anderen Voraussetzungen in den Städten aktiv waren, von Wohngebieten abzugrenzen. Die Aufweichung dieser strikten Aufteilung muss das Ziel sein, denn so wie die Sektoren Produktion und Dienstleistungen zunehmend verschmelzen, wohnen und leben Millennials, wo sie arbeiten, und umgekehrt. Eine moderne Stadt- und Raumplanung mit frei gestaltbarer Nutzungsverteilung würde nebst der Entlastung der Verkehrsinfrastruktur auch eine Belebung der Quartiere und Aussenräume mit sich bringen. Eine breite Debatte zwischen Vertretern der verschiedenen Interessengruppen brächte Transparenz über die jeweiligen Bedürfnisse und Erwartungen. Das Potenzial einer solchen Diskussion ist enorm. Es gilt den traditionellen Reflex, Risiken vermeiden zu wollen, abzulegen, die Signale der Millennials aufzunehmen und zu einem gemeinsamen Nachdenken über Chancen zu gelangen.

Kürzere Lebenszyklen und grössere Flexibilität
Die Entwicklung neuer Arbeitsformen und Zusammenarbeitsprozesse hat auch direkte räumliche Konsequenzen: Künftige Immobilienangebote müssen umfassend, flexibler, vielfältiger und leistungsfähiger sein. Entwicklung, Vermarktung, Realisierung und Betrieb einer Immobilie, somit der gesamte Lebenszyklus, können in kürzeren Abschnitten gedacht und umgesetzt werden. Nachhaltigkeit im Umgang mit der knappen Ressource Boden steht für die Entwicklung eines Standorts, auf dem in kürzeren Zyklen neue, dem Anspruch der künftigen Nutzer besser entsprechende Immobilienprodukte lanciert werden können. Immobilien mit kürzerer Lebensdauer sind bedürfnisgerecht und entsprechen dem Fit-to-Market.

Sinn über Materie
Die Generation Y stellt Sinnerfüllung über materielle Werte. Sie erwartet Flexibilität und Gestaltungsfreiheit, ist leistungsbereit, aufstiegsorientiert und anspruchsvoll. Für Swiss Prime Site Immobilien ist die Auseinandersetzung mit dieser Kundengruppe essenziell. Die Millennials verlangen von allen Marktteilnehmern, sprich Investoren und öffentlicher Hand, Innovationskraft, damit sie sich entfalten können. Da Innovation stets das Beschreiten von Neuland bedeutet, heisst dies auch, dass allseits mehr Risiken getragen werden müssen, um erfolgreich neue Immobilienprodukte zu gestalten. Damit die Risiken als Chancen wahrgenommen werden können, bedarf es Mut seitens der Behörden und der Immobilienbranche.

Der ungekürzte Originaltext von Severin Boser, ist unter dem Titel «Achtung: Millennials!» in der NZZ-Sonderbeilage zu den Real Estate Days am 8. November 2017 erschienen.
Millennials Generation Y
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